Schellack, Wachs oder Öl?
Schellack, Wachs oder Öl? Oberflächen antiker Möbel
Wie Sie die Oberfläche eines antiken Möbels erkennen, worin sich Schellack, Wachs, Öl und Lack unterscheiden und wie Sie sie richtig pflegen.

Die Oberfläche entscheidet, wie ein antikes Möbel aussieht, wie empfindlich es ist und wie es gepflegt werden muss. Die drei klassischen Oberflächen sind Schellack, Wachs und Öl. Ab dem 20. Jahrhundert kamen industrielle Lacke hinzu. In diesem Ratgeber erklären wir die Unterschiede, wie Sie die Oberfläche erkennen und wie Sie sie richtig pflegen.
Schellack: der edle Glanz
Schellack ist ein natürliches Harz, das von der Lackschildlaus stammt. In Alkohol gelöst wird er mit einem Polierballen in vielen dünnen Schichten aufgetragen. Das Ergebnis ist ein tiefer, warmer Glanz, der die Maserung besonders schön hervorhebt. Die Schellack-Handpolitur ist die klassische Oberfläche hochwertiger Möbel des 19. Jahrhunderts, etwa im Biedermeier und in der Gründerzeit.
Eigenschaften: sehr schön, reparierbar und reversibel, aber empfindlich gegenüber Wasser, Hitze und Alkohol. Typische Schäden sind weiße Wasserränder unter Gläsern oder Flecken durch heiße Tassen.
Wachs: matt und natürlich
Wachs, meist Bienenwachs, teils gemischt mit härteren Wachsen, ergibt einen seidenmatten, natürlichen Schimmer. Gewachst wurden vor allem Eichenmöbel, Weichholz- und Landhausmöbel. Wachs ist leicht aufzufrischen, schützt aber weniger gegen Feuchtigkeit und Flecken als Schellack.
Öl: tief im Holz
Öle wie Leinöl ziehen in das Holz ein und feuern die Maserung an. Die Oberfläche bleibt offenporig und wirkt sehr natürlich. Geölte Flächen müssen von Zeit zu Zeit nachbehandelt werden. Bei antiken Möbeln ist Öl seltener die ursprüngliche Oberfläche als Schellack oder Wachs.
Lack: die moderne Oberfläche
Im 20. Jahrhundert setzten sich in der Möbelindustrie Nitrolacke und später Kunstharzlacke durch. Sie sind robust und pflegeleicht, wirken aber oft flach und lassen sich schlecht ausbessern. Auf Möbeln des 18. und 19. Jahrhunderts ist eine Lackoberfläche meist ein Zeichen für eine spätere Überarbeitung.
Woran erkenne ich die Oberfläche?
- Optik: Hoher, tiefer Glanz spricht für Schellack. Ein seidenmatter Schimmer, der sich etwas weich anfühlt, für Wachs. Offene Poren und ein sehr natürliches Aussehen für Öl. Ein gleichmäßiger, „plastischer“ Glanz eher für Lack.
- Fingernageltest: Wachs lässt sich an einer unauffälligen Stelle leicht mit dem Fingernagel abheben.
- Alkoholtest: Ein Tropfen Spiritus an einer verdeckten Stelle macht Schellack nach kurzer Zeit weich und klebrig. Lack und Wachs reagieren darauf kaum. Führen Sie Tests nur an nicht sichtbaren Stellen durch, im Zweifel fragen Sie eine Werkstatt.
So pflegen Sie die Oberfläche richtig
- Abstauben: regelmäßig mit einem weichen, trockenen Tuch.
- Kein Wasser: Antike Oberflächen nicht nass reinigen. Verschüttetes sofort abtupfen.
- Keine Haushaltsreiniger und Silikonsprays: Möbelpflegesprays mit Silikon hinterlassen Schichten, die eine spätere Restaurierung erschweren.
- Schutz vor Hitze und Nässe: Untersetzer für Gläser, Tassen und Blumentöpfe verwenden.
- Wachsoberflächen gelegentlich dünn nachwachsen und mit einem weichen Tuch auspolieren.
- Geölte Oberflächen bei Bedarf dünn nachölen und überschüssiges Öl gründlich abnehmen.
- Schellack nicht selbst nachpolieren, wenn Sie keine Erfahrung haben. Wasserränder und Kratzer gehören in die Hände einer Werkstatt.
Ausführliche Tipps zu Raumklima, Holzwurm und Reinigung finden Sie in unserem Ratgeber Pflege antiker Möbel. Wenn eine Oberfläche erneuert werden muss, übernimmt das unsere Restaurierungswerkstatt, auf Wunsch auch für Ihre eigenen Möbel.
Häufige Fragen
Woran erkenne ich eine Schellackpolitur?
Schellack hat einen tiefen, warmen Glanz. Ein Tropfen Spiritus an einer verdeckten Stelle macht die Oberfläche nach kurzer Zeit weich und klebrig. Lack und Wachs reagieren darauf kaum.
Wie bekomme ich weiße Wasserränder aus Schellack?
Weiße Ränder entstehen durch Feuchtigkeit in der Schellackschicht. Da Selbstversuche die Oberfläche beschädigen können, sollten Wasserränder von einer Restaurierungswerkstatt behandelt werden.
Darf ich antike Möbel mit Möbelpolitur aus dem Supermarkt pflegen?
Besser nicht. Viele Sprays enthalten Silikon, das Schichten bildet und eine spätere Restaurierung erschwert. Zum Abstauben reicht ein weiches, trockenes Tuch.
Wie oft sollte ich gewachste Möbel nachwachsen?
Nur bei Bedarf, wenn die Oberfläche stumpf oder trocken wirkt. Dann dünn auftragen und gründlich auspolieren.
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